Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch anfangt und euch auf den ersten 100 Seiten immer wieder fragt: "Gefällt mir das? Ist das wirklich meins?"
Bei diesem Buch gings mir total lange so und ich fürchtete schon, dass ich es abbrechen musste, aber irgendwann packte es mich.
Die Seiten flogen nur so dahin und meine Neugier stieg von Wort zu Wort. Auch wenn ich so rein gar nichts mit der Hauptprotagonistin Florine gemeinsam habe, konnte man sich so sehr mit ihr identifizieren und sie auf dem schwierigen Weg des Erwachsen werden begleiten. Was habe ich mit ihr gelitten und mich manchmal gefragt, wie das Leben es mit manvhen einfach so schlecht meinen kann ...
Der Schreibstil war einfach, flüssig und an manchen Stellen für meinen Geschmack zu detailverliebt. Die Autorin hat wunderbare Charaktere für eine zauberhafte Geschichte geschaffen, die mich zum Ende hin einfach immer wieder zu Tränen gerührt haben. [Ich kann mich schon gar nicht mehr an das Buch erinnern, dass das zuletzt geschafft hat.]
Nach anfänglichen Leseschwierigkeiten kann ich nur eine Leseempfehlung in Verbindung mit reichlich Taschentüchern aussprechen!!
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Sonntag, 3. Februar 2013
Donnerstag, 17. Januar 2013
Lisa Jackson ~ Pain [Band 1]
Kurzbeschreibung
›Für deine Sünden sollst du büßen!‹ – diese beängstigende Nachricht erwartet die Radiopsychologin Samantha Leeds auf ihrem Anrufbeantworter. Es wird nicht die letzte Warnung bleiben. Schon bald wird außerdem klar, dass zwischen den Drohungen, die die Psychologin erhält, und der unheimlichen Mordserie, die New Orleans erschüttert, eine Verbindung besteht. Kann Samantha dem finsteren Racheengel entkommen, der ihre dunkelsten Geheimnisse zu kennen scheint? Schutz bietet ihr ein ebenso attraktiver wie mysteriöser Nachbar. Doch darf sie ihm wirklich trauen?Meine Meinung
Mensch, was für ein genialer Plot, den Lisa Jackson irgendwie nicht wirklich gut zu nutzen wusste. Ich habe mich ein wenig an meine Schulzeit zurückerinnert gefühlt, in der manche Lehrer mir nach Rückgabe der Klausur die "Gabe-des-geschickten-Drumherum-Schreibens" bestätigt haben, ohne dass ich eine wirkliche Planung vom Thema hatte.Mit der Hauptprotagonistin Dr. Sam hat Lisa Jackson eine interessante Frau geschaffen, die gleichzeitig perfekt in die Opfer-Rolle gepresst wurde, aber schnell ihren Ritter auf einem kaputten Schiff gefunden hat.
Diese Liebelei [Wer sagt bitte beim ersten Kennenlernen "Liebling"?!] fing für meinen Geschmack etwas zu schnell, quasi aus dem Nichts an und war mir für einen Thriller auch einen dicken Hauch zu kitschig.
Bis zu dem Moment - ungefähr ab der Mitte des Buches - als ich den zweiten Teil bestellt habe, war ich übrigens der Meinung, dass Dr. Sam die Hauptprotagonstin in der kompletten New Orleans-Reihe ist. Pustekuchen. Detective Rick Bentz und Kollege Reuben Montoya haben die Hauptrollen gepachtet, ungewöhnlich, wo sie doch in diesem Teil die kleinsten Rollen abbekommen haben.
Trotz meiner Kritik hat mich der schnörkellose, schnelle Schreibstil gefesselt, sodass ich auch auf Spannung, Thrill und einen besseren Plot [erstmal!] verzichten konnte. Ich hoffe einfach, dass Lisa Jackson sich mit "Pain" warmgeschrieben hat und im Folgeband richtig Gas gibt.
Dienstag, 14. August 2012
{Buchtipp} Sarah Harvey ~ Wiedersehen in Stormy Meadows
Kurzbeschreibung
Natalie ist verzweifelt. Obwohl seit dem Autounfall ihres Mannes Rob
schon zwei Jahre vergangen sind, kann sie seinen Tod nicht verwinden.
Doch darf sie sich in ihrer Trauer nicht verkriechen, denn es gibt noch
einen Menschen, der Rob schmerzlich vermisst: seine Tochter aus erster
Ehe, Cassandra. Während Natalie alles da ransetzt, Cassie neuen
Lebensmut zu geben, taucht von unerwarteter Seite ein Hoffnungsschimmer
auf – ein Hoffnungsschimmer namens Connor.
Meine Meinung
Am liebsten hätte ich den neuen Roman von Sarah Harvey schön gemütlich mit einer dicken Tasse Tee an einem prasselnden Kamin [dafür hätte ich mich jedoch irgendwo einmieten müssen] weggeschmökert, stattdessen habe ich mich bei 30 Grad bei strahlendem Sonnenschein nach Cornwall entführen lassen, bei rauhen Stürmen, einem verschneiten Weihnachtsfest und jede Menge Alkohol ... Es ist fast zwei Jahre her als Natalie ihren Mann durch einen schrecklichen Autounfall verlor, alles was ihm von ihm geblieben ist, ist seine aufmüpfige, pubertierende Stieftochter Cassie, die sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, Natalie nun das Leben schwer zu machen.
Als Cassie dann durch einen Streich an ihrer Mitschülerin für das restliche Schuljahr im Internat suspendiert wird, müssen die beiden Frauen scheinbar unter einem Dach leben und dann steht in wenigen Wochen auch noch Weihnachten vor der Tür. Der rettende Anruf: Natalie´s Mutter, zu der sie in den letzten 16 Jahren eher spärlichen Kontakt hatte, lädt die beiden nach Cornwall in ihr Cottage "Stormy Meadows" ein.
Und das Cottage scheint ein magischer Ort zu sein, nicht nur, dass Sarah Harvey die Räume, die Umgebung und die Menschen wunderbar in Szene setzt und charaktererisiert hat, nein, man fühlt sich wohl und will selbst bei 30 Grad zusammen mit den drei Frauen Weihnachtsgeschenke kaufen, den Christbaum schmücken und Abends mit einem Gläschen Wein mit am Küchentisch vor dem Kamin, zwischen den Hunden sitzen.
Der englischen Landluft gelingt ist, dass alle Ungereimtheiten aus dem Weg geräumt werden, Fehler eingestanden werden, und wirklich jede der drei Frauen einen neuen Blick für die Zukunft hat.
Ich hab mich selten so wohl beim schmökern eines Buches gefühlt, umgeben von Gefühlsduselei, Witz und jede Menge Sarah Harvey-Charme. Ich würde die drei Damen gerne wiedertreffen, egal ob auf Stormy Meadows oder in einem anderen Cottage ...
Von mir gibts: ♥♥♥♥♥ (von 5 Punkten)
Mittwoch, 18. Juli 2012
{Buchtipp} Kressmann Taylor ~ Adressat unbekannt
Kurzbeschreibung
«Adressat unbekannt», erstmals 1938 veröffentlicht, ist ein
literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als
Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in
den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser Roman in
bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft.
«Selten ist so viel in solcher Dichte ausgedrückt worden», heißt es in
einer Rezension. «Welche Hellsichtigkeit! Und welche Kraft!» Der Text
wurde 1938 als Fortsetzung in einer Zeitschrift veröffentlicht, geriet
dann über sechzig Jahre lang in Vergessenheit.
Meine Meinung
Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch lest und euch zwischendurch der Atem stockt?Wenn ich einen Thriller lese, habe ich ein Gefühl von "wenn mich jetzt jmd erschreckt, schrei ich die ganze Straße zusammen", ich höre mein eigenes Herz dann schneller schlagen und das Ticken der Uhr wird immer lauter. Wenn ich aber ein Buch lese, in dem es um wahre Begebenheiten geht, dann krieg ich dieses beklemmende Gefühl in der Magengegend, alles zieht sich da ganz komisch zusammen und am Ende bin ich einfach nur froh, dass ich ungeschoren davon gekommen bin.
"Adressat unbekannt" hat genau dieses Gefühl in mir verbreitet.
Ich fand es erschreckend, wie wenig auf einmal eine Freundschaft und ein Menschenleben wert ist, nur weil man "dazugehören" will. Allerdings ist es nicht weniger erschreckend, wie ein einziger Mann ein ganzes Land auf den Kopf stellen konnte, Menschenleben zerstört hat ... es hätte mehr Menschen wie Max Eisenstein geben müssen. Aber wie Elke Heidenreich in ihrem wunderbaren Nachwort schon geschrieben hat "Wer hätte sich da schon auflehnen können, was blieb denn noch anderes übrig, als fügsam in die dunkle Nacht zu gehen bei diesem akribisch geplanten Massenmord!".
Ich stimme Elke Heidenreich ebenfalls zu, dass das Buch eine Pflichtlektüre in der Schule werden sollte. Dieses kleine Buch ist so aussgekräftig, wichtig und wertvoll zugleich, dass es einmal um die ganze Welt gehen muss, damit sich jeder vor Augen führen kann, was war und nie mehr sein sollte.
Ob Max Eisenstein nun "richtig" gehandelt hat oder es unter den Klassiker "wie du mir, so ich dir" fällt, lass ich jetzt mal so stehen. Feige und unaufrichtig fand ich eher Martin´s Verhalten, im letzten Moment an die ach so wertvolle Freundschaft zu appellieren ...
"Adressat unbekannt" stimmt einen nachdenklich, traurig und wütend zu gleich, so wie es wahre Begebenheiten wohl immer tun.
Eine Bewertung gibt es für dieses Buch von mir nicht, fände ich mehr als unangemessen.
Dienstag, 26. Juni 2012
{Buchtipp} Siegfried Langer - Vater, Mutter, Tod
Kurzbeschreibung
Wenn dir das Liebste genommen wird – was würdest du tun? Ein Vater, der große Schuld auf sich lädt.
Eine Mutter, die alles tun würde, um ihren Sohn zurückzubekommen.
Ein Junge, der tot in einer Berliner Wohnung liegt.
Eine Frau, deren Erinnerungen sie betrügen.
Kommissar Manthey sucht nach den Zusammenhängen. Er will ein Kind retten – um jeden Preis. Und stößt auf einen Abgrund aus Verzweiflung und Wahn.
Meine Meinung
Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch lest und irgendwann voller Verwunderung diesen Druck in eurer Brust feststellt? Druck, weil ihr kurzzeitig aufgehört habt zu atmen. Diese Atemaussetzer hat mir Siegfried Langer mit "Vater, Mutter, Tod" beschert ...Anfangs habe ich mich noch ein, zwei Mal dabei erwischt, wie ich den Autorennamen auf dem Cover gecheckt habe, weil ich zeitweise dachte, ich hätte ein Buch von Sebastian Fitzek in den Händen. Nach der letzten Seite kann ich aber mit Begeisterung sagen, dass Herr Langer und Herr Fitzek auf Augenhöhe stehen.
Langer hat es geschafft einen grandiosen Psychothriller - warum hat "List" das nicht erkannt? - zu schaffen und den Leser bis zur Mitte des Buches fast um den Verstand zu schreiben. Gierig habe ich Seite für Seite, Wort für Wort - und ihr ahnt es - Buchstabe für Buchstabe aufgesogen. Nach und nach setzte sich dann das Puzzlestück dieses Wahnsinns zusammen und ich merkte wie meine innere Anspannung immer mehr wuchs.
Ein Psychothriller der mit wenig "Schischi" auskommt und einem trotzdem, oder gerade deshalb, so sehr im Gedächtnis bleiben wird.
Als ich las, dass eine der Hauptprotagonistinnen "Jacqueline" heißt, war ich zunächst enttäuscht, denn bislang hatte ich von Schakkeline ein anderes Bild in meinem Kopf, aber sie passte genauso perfekt in die Szenerie wie all die anderen Protagonisten.
Langer ist es zudem gelungen, den Leser mit den nötigen Infos zu den jeweiligen Personen an genau den richtigen Stellen zu versorgen, ohne das auch nur eine Silbe zu viel war und man sich trotzdem ein genaues Bild der einzelnen Personen zurechtbasteln konnte.
Selten habe ich ein Buch so wenig bis gar nicht weglegen können und genauso selten haben mich die Protagonisten außerhalb des Lesens weiterhin beschäftigt.
Absolut lesenswerter Pageturner für den ich gerne ♥♥♥♥♥♥ vergebe!!
Samstag, 9. Juni 2012
[Buchtipp] Stephan Lucas ~ Auf der Seite des Bösen
Kurzbeschreibung
Stephan Lucas ist Strafverteidiger und vertritt Mörder und Vergewaltiger vor Gericht. Er berichtet von seinen spektakulärsten Fällen und davon, wie es ist, tagtäglich mit dem Bösen konfrontiert zu werden. Immer wieder stellt er sich die Frage, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Schwerverbrechern als Anwalt zur Seite zu stehen. Die dramatischen Schicksale und erschütternden Taten des vermeintlich Bösen lassen niemanden kalt.
Meine Meinung
Stephan Lucas, Strafverteidiger, berichtet in seinem ersten Buch "Auf der Seite des Bösen - Meine spektakulärsten Fälle" über seinen Alltag als Anwalt und mit dem Umgang "des Bösen".
Ich glaube, dass man sich vor der ersten Seite schon vor Augen halten muss, dass nach unserem Rechtssystem jeder Mensch Anspruch auf eine angemesssene und gerechte Verteidigung hat. Als Außenstehender oder evtl. auch als Opfer kann man nur schwer nachvollziehen, wie ein Anwalt "sich auf die Seite" eines Mörders oder Vergewaltiger stellen kann. Stephan Lucas beschreibt in solchen Situationen wunderbar, dass Gefühle oder gar sein eigenes Bauchgefühl in einem Strafprozess nichts zu suchen haben. Er will von seinen Mandanten nichtmal wissen, ob sie die ihnen vorgeworfene Tat wirklich begangen haben oder nicht. Er stützt sich dabei lediglich auf Fakten und Beweise und ist gar nicht mal darauf aus, seine Mandanten frei zu bekommen, aber er erwartet, dass Staatsanwalt und Richter unvoreingenommen an die Sache herangehen und fair ein Urteil sprechen.
Dieses Buch veranschaulicht u. a. aber auch, wie schnell vermeintliche Opfer das Leben des "Täters" zerstören können, durch Anschuldigungen, die kein Urteilsspruch der Welt wieder reinwaschen kann. Wenn einmal der Vorwurf des "Vergewaltigers" oder "Kinderschänders" im Raum steht, bekommt man diesen dank Pressefreiheit und oft schlecht recherchierten Schlagzeilen nie mehr weg.
Mir ist es jedoch schwer gefallen, den Menschen und "das Gute" in den jeweiligen Tätern zu sehen. Lucas betont immer wieder, dass das "Böse" oft nur eine kleine Facette des Menschen ist und er trotzdem ein liebevoller Vater oder verlässlicher Freund sein kann. Oft hört oder liest man in der Presse, wenn Angehörige oder Nachbarn über den Täter sprechen, "das hätten wir ihm nie zugetraut, er war immer so nett und hilfsbereit", dass ich das nur Kopfnickend bestätigen kann. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man gewisse Taten nicht hätte erahnen können oder hat das Umfeld da wie so oft einfach nur die Augen verschlossen?
Man liest in jeder Zeile des Buches, dass Stephan Lucas den Beruf des Strafverteidigers mit Leidenschaft, Ehrgeiz und dem nötigen Biss erledigt und es für ihn kein Job, sondern wirklich Berufung ist.
Ich fand es spannend einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen und muss gestehen, dass es mich fasziniert hat, wie unvoreingenommen er den Tätern gegenübertritt.
Ich vergebe daher: ♥♥♥♥♥
Stephan Lucas ist Strafverteidiger und vertritt Mörder und Vergewaltiger vor Gericht. Er berichtet von seinen spektakulärsten Fällen und davon, wie es ist, tagtäglich mit dem Bösen konfrontiert zu werden. Immer wieder stellt er sich die Frage, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Schwerverbrechern als Anwalt zur Seite zu stehen. Die dramatischen Schicksale und erschütternden Taten des vermeintlich Bösen lassen niemanden kalt.
Meine Meinung
Stephan Lucas, Strafverteidiger, berichtet in seinem ersten Buch "Auf der Seite des Bösen - Meine spektakulärsten Fälle" über seinen Alltag als Anwalt und mit dem Umgang "des Bösen".
Ich glaube, dass man sich vor der ersten Seite schon vor Augen halten muss, dass nach unserem Rechtssystem jeder Mensch Anspruch auf eine angemesssene und gerechte Verteidigung hat. Als Außenstehender oder evtl. auch als Opfer kann man nur schwer nachvollziehen, wie ein Anwalt "sich auf die Seite" eines Mörders oder Vergewaltiger stellen kann. Stephan Lucas beschreibt in solchen Situationen wunderbar, dass Gefühle oder gar sein eigenes Bauchgefühl in einem Strafprozess nichts zu suchen haben. Er will von seinen Mandanten nichtmal wissen, ob sie die ihnen vorgeworfene Tat wirklich begangen haben oder nicht. Er stützt sich dabei lediglich auf Fakten und Beweise und ist gar nicht mal darauf aus, seine Mandanten frei zu bekommen, aber er erwartet, dass Staatsanwalt und Richter unvoreingenommen an die Sache herangehen und fair ein Urteil sprechen.
Dieses Buch veranschaulicht u. a. aber auch, wie schnell vermeintliche Opfer das Leben des "Täters" zerstören können, durch Anschuldigungen, die kein Urteilsspruch der Welt wieder reinwaschen kann. Wenn einmal der Vorwurf des "Vergewaltigers" oder "Kinderschänders" im Raum steht, bekommt man diesen dank Pressefreiheit und oft schlecht recherchierten Schlagzeilen nie mehr weg.
Mir ist es jedoch schwer gefallen, den Menschen und "das Gute" in den jeweiligen Tätern zu sehen. Lucas betont immer wieder, dass das "Böse" oft nur eine kleine Facette des Menschen ist und er trotzdem ein liebevoller Vater oder verlässlicher Freund sein kann. Oft hört oder liest man in der Presse, wenn Angehörige oder Nachbarn über den Täter sprechen, "das hätten wir ihm nie zugetraut, er war immer so nett und hilfsbereit", dass ich das nur Kopfnickend bestätigen kann. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man gewisse Taten nicht hätte erahnen können oder hat das Umfeld da wie so oft einfach nur die Augen verschlossen?
Man liest in jeder Zeile des Buches, dass Stephan Lucas den Beruf des Strafverteidigers mit Leidenschaft, Ehrgeiz und dem nötigen Biss erledigt und es für ihn kein Job, sondern wirklich Berufung ist.
Ich fand es spannend einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen und muss gestehen, dass es mich fasziniert hat, wie unvoreingenommen er den Tätern gegenübertritt.
Ich vergebe daher: ♥♥♥♥♥
Montag, 4. Juni 2012
{Buchempfehlung} Chevy Stevens ~ Still Missing
Kurzbeschreibung
Was
würdest du tun, wenn dich jemand am helllichten Tag entführt? Wenn du
ihm vollkommen ausgeliefert bist? Wenn es aus dieser Hölle kein
Entkommen gibt? Würdest du töten? Und wäre dann wirklich alles vorbei?
Ein
ganz normaler Tag, ein ganz normaler Kunde mit einem freundlichen
Lächeln. Doch im nächsten Moment liegt die junge Maklerin Annie
O'Sullivan betäubt und gefesselt in einem Lastwagen. Als sie erwacht,
findet sie sich in einer abgelegenen, schallisolierten Blockhütte
wieder. Ihr Entführer übt die absolute Kontrolle über sie aus. Ein
endloser Albtraum beginnt, hinter dem ein noch schlimmerer auf sie
wartet.
Meine Meinung
Was für ein Pageturner - Die Geschichte rund um Annie hat mich von der ersten Seite so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich endlich mal wieder ein Buch in den Händen hielt, bei dem ich Herzrasen hatte und stellenweise das Ausatmen vergessen habe.
Als "Thriller" würde ich "Still Missing" allerdings nicht bezeichnen, sondern als wirklich guten Psychroman (gibt es das überhaupt?), denn hier spritzt kein Blut, sondern der Psycho zerbricht Annie mit ganz anderen Mitteln und relativ einfachen Methoden. Aber wenn man sich diese Zeit in "Gefangenschaft" mal auf der Zunge zergehen lässt und versucht nachzuvollziehen, welche seelischen Grausamkeiten Annie da durchlebt, dann ist das schrecklicher als jeder noch so blutrünstige Mord.
Von der Handlung möchte ich gar nichts verraten, bevor ich hier unbewusst spoiler, lassen wir das mal lieber.
Nur so viel: Annie und auch der Psycho sind von der Autorin genauso charakterisiert worden, wie ich mir das Opfer und den Täter in so einer Story vorstellen würde. Selten habe ich mit der Hauptprotagonistin in diesem Ausmaß mitgefiebert und mich gefragt "wieviel kann und muss sie noch ertragen?".
Ich glaube aber, für Annie und auch für mich, war der schlimmste Moment, als das "warum" aufgeklärt wurde. Bis zu diesem Moment dachte man noch an eine "zufällige Entführung", dass er sie einfach wahllos ausgewählt hat, die Gewissheit das es nicht so war, fand ich noch schrecklicher als alles, was ich davor gelesen habe.
♥♥♥♥♥♥
Sonntag, 29. April 2012
{Buchtipp} Andrea Russo ~ Gefühlsecht
Kurzbeschreibung
So muss Liebe sein: nicht nur feucht, sondern auch gefühlsecht
Träumen wirklich alle Frauen um die dreißig davon, einen Heiratsantrag zu bekommen? Barbara zumindest hätte sich die alles entscheidende Frage unter liebevolleren Umständen vorgestellt als während der ganz unromantischen morgendlichen Bettgymnastik mit ihrem Jürgen. Außerdem hat sie sich verhört und nur aus Versehen Ja gesagt. Nun hat sie dreißig Tage Zeit, sich zu entscheiden: Will sie oder will sie nicht, liebt sie oder liebt sie nicht, gefühlsecht oder nur Gewohnheit?
Meine Meinung
"Gefühlsecht" war seit langem mal wieder ein Buch, welches ich in einem Rutsch weglesen musste.
Alles fängt total anders als meine bisher gelesenen Chick-Lit-Romane an: Babs hat gerade den Mund voll, als ihr Freund Jürgen ihr bei einem morgendlichen Blowjob einen Heiratsantrag macht. Eigentlich hat sie ihn gar nicht wirklich verstanden und einfach mal "ja" gesagt. Im Nachhinein überkommt sie trotz vierjähriger Beziehung die blanke Panik und das Paar "trennt sich erstmal für 30 Tage", damit Babs sich über ihre Gefühle klar werden kann. Komischerweise kam dieser Vorschlag von Jürgen, der sich dann noch vor Ablauf der 30 Tage von Babs trennt ...
Andrea
Russo hat hier so viel Charme in 284 Seiten pressen lassen, dass man
"Gefühlsecht" überhaupt nicht aus den Händen legen kann/ will. Was mich
absolut begeistert hat, ist das sie absoluten Klartext redet
schreibt und die Dinge nicht "beschönigt", hier wird ganz klar über Sex
und alles was damit zu tun hat geschrieben ohne plump oder ordinär zu
sein. Aber Sex ist bei weitem nicht das Hauptthema. Babs hat eine
wundervoll chaotische Familie, die in diesem Buch nicht so überspitzt
und "too much" beschrieben wurde, wie ich es aus vielen anderen Büchern
kenne.
Ach und Babs *hach* ist mir eigentlich direkt total ans Herz gewachsen, vielleicht weil ich ihr in vielen Dingen ein wenig ähnel (in welchen, überlasse ich mal eurer Phantasie) und sie total gut verstehen und ihr Handeln nachvollziehen konnte.
"Gefühlsecht" ist kein Standard-Chick-Lit-Roman, kein Liebeskummer-Wälzer oder "alle-Männer-sind-böse"-Buch, sondern viel mehr ein gute-Laune-und-nimm-dein-Leben-bei-einem-Löffel-Nutella-selbst-in-die-Hand-Buch.
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